Börse und Depot – Instrumente für den Wertpapierhandel

Illustration Börse

Die Börse ist der zentrale Marktplatz für den Handel mit Wertpapieren wie Aktien, Anleihen und Derivaten. Doch um an diesem Markt teilnehmen zu können, benötigt man ein Wertpapierdepot. Dieses dient als digitales Schließfach für Wertpapiere und ist eng mit einem Verrechnungskonto verknüpft. In diesem Artikel wird erklärt, wie die Börse funktioniert, welche Rolle das Depot spielt und was mit den Wertpapieren passiert, wenn ein Broker insolvent wird.

⚠️Haftungsausschluss

1. Die Börse – Handelsplatz für Wertpapiere

An der Börse treffen Käufer und Verkäufer aufeinander, um Wertpapiere zu handeln. Es gibt zwei Hauptarten von Börsen:

  • Präsenzbörsen (z. B. die New York Stock Exchange), wo der Handel noch physisch stattfindet.
  • Elektronische Börsen (z. B. Xetra oder Nasdaq), wo Kauf- und Verkaufsaufträge automatisch abgeglichen werden.

Verschiedene Börsenplätze mit unterschiedlichen Preisen

Es gibt mehrere Handelsplätze weltweit, an denen dasselbe Wertpapier zu verschiedenen Preisen gehandelt werden kann. Bekannte Börsen sind:

  • Xetra (Deutschland) – Elektronischer Hauptmarkt für deutsche Aktien.
  • Frankfurter Börse (Deutschland) – Präsenzhandel mit leicht abweichenden Kursen zu Xetra.
  • Nasdaq (USA) – Wichtig für Technologieaktien.
  • New York Stock Exchange (NYSE, USA) – Größte Börse der Welt nach Marktkapitalisierung.
  • London Stock Exchange (UK) – Relevanter Handelsplatz für europäische Aktien.

Preisunterschiede entstehen durch unterschiedliche Angebot- und Nachfragesituationen, Handelszeiten und Liquidität. Broker wählen meist den günstigsten Handelsplatz oder bieten Kunden die Möglichkeit, einen Börsenplatz manuell auszuwählen.

2. Das Wertpapierdepot – digitale Aufbewahrung für Wertpapiere

Ein Depot ist eine Art digitales Konto, in dem Wertpapiere verwahrt werden. Es wird bei einer Bank oder einem Broker geführt und dient zur Abwicklung von Käufen und Verkäufen an der Börse.

Verknüpfung mit einem Verrechnungskonto

Zum Depot gehört ein Verrechnungskonto, das für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren genutzt wird:

  • Beim Kauf werden die Kosten für Wertpapiere vom Verrechnungskonto abgebucht.
  • Beim Verkauf werden die Erlöse auf das Verrechnungskonto gutgeschrieben.
  • Dividenden und Zinsen von Wertpapieren werden ebenfalls dort verbucht.

Viele Broker bieten ein integriertes Verrechnungskonto, während manche Banken ein separates Girokonto voraussetzen.

3. Wie funktioniert der Wertpapierhandel?

Anleger können Wertpapiere über ihr Depot kaufen und verkaufen. Dazu wird eine Order mit folgenden Angaben platziert:

  • Wertpapierkennnummer (ISIN oder WKN)
  • Stückzahl oder Volumen
  • Börsenplatz
  • Ordertyp (Market, Limit, Stop-Loss, etc.)
  • Gültigkeitsdauer der Order

WKN (Wertpapierkennnummer) und ISIN (International Securities Identification Number) sind beides eindeutige Identifikationsnummern für Finanzinstrumente wie Aktien, Anleihen oder Fonds.

  • WKN: Die WKN ist eine nationale Kennnummer, die in Deutschland verwendet wird, um Finanzinstrumente eindeutig zu identifizieren. Sie besteht aus sechs alphanumerischen Zeichen und ist vor allem im deutschen Sprachraum verbreitet.
  • ISIN: Die ISIN ist eine internationale Kennnummer, die Finanzinstrumente weltweit eindeutig identifiziert. Sie besteht aus 12 Zeichen: Zwei Buchstaben für das Land, in dem das Wertpapier registriert ist, gefolgt von einer neunstelligen Nummer und einer Prüfziffer. Die ISIN wird international verwendet, um eine globale, eindeutige Identifikation zu gewährleisten.

WKN wird hauptsächlich in Deutschland verwendet, während ISIN international gültig ist. Beide Nummern dienen dem gleichen Zweck, nämlich der eindeutigen Identifikation eines Wertpapiers.

Gültigkeitsdauer einer Order

Man kann festlegen, wie lange eine Order aktiv bleibt:

  • Tagesgültig: Die Order verfällt am Ende des Handelstags, falls sie nicht ausgeführt wird.
  • Good Till Cancelled (GTC): Die Order bleibt aktiv, bis sie ausgeführt oder manuell storniert wird.
  • Good Till Date (GTD): Die Order bleibt bis zu einem bestimmten Datum bestehen.

Wie lange dauert eine Orderausführung?

Die Ausführungszeit hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Market Orders werden in der Regel sofort ausgeführt, sofern genügend Liquidität vorhanden ist.
  • Limit Orders können Minuten, Stunden oder sogar Tage dauern, bis der gewünschte Preis erreicht wird.
  • Illiquide Wertpapiere mit wenigen Käufern und Verkäufern können langsamer gehandelt werden.
  • Handelszeiten beeinflussen die Geschwindigkeit der Orderausführung – Orders außerhalb der Hauptzeiten werden oft erst am nächsten Handelstag bearbeitet.
  • Technische Probleme beim Broker oder an der Börse können Verzögerungen verursachen.

Die Liquidität eines Wertpapiers beschreibt, wie einfach und schnell es an der Börse gekauft oder verkauft werden kann, ohne den Preis stark zu beeinflussen. Ein liquides Wertpapier wird häufig gehandelt, hat viele Marktteilnehmer und eine geringe Geld-Brief-Spanne.

Die Geld-Brief-Spanne (auch Spread genannt) ist die Differenz zwischen dem höchsten Preis, den ein Käufer bereit ist zu zahlen (Geldkurs), und dem niedrigsten Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist zu verkaufen (Briefkurs). Ein enger Spread deutet auf hohe Liquidität hin, da viele Käufer und Verkäufer nah beieinanderliegende Preise bieten. Ein weiter Spread hingegen zeigt geringere Liquidität, da die Preisvorstellungen der Marktteilnehmer weiter auseinanderliegen.

Die Liquidität eines Wertpapiers wird von mehreren Faktoren beeinflusst:

  • Handelsvolumen: Je mehr das Wertpapier täglich gehandelt wird, desto liquider ist es.
  • Markttiefe: Wenn viele Kauf- und Verkaufsorders auf unterschiedlichen Preisniveaus vorliegen, kann es leichter gehandelt werden.
  • Anzahl der Marktteilnehmer: Mehr Händler, besonders Market Maker und institutionelle Investoren, erhöhen die Liquidität.
  • Börsenlistung: Aktien großer Börsen wie der NYSE oder Xetra sind oft liquider als solche kleiner Handelsplätze.
  • Bekanntheit und Nachfrage: Aktien großer Unternehmen sind in der Regel liquider als unbekannte Nebenwerte.

Zusammengefasst: Ein Wertpapier ist besonders liquide, wenn es viele Käufer und Verkäufer gibt, das Handelsvolumen hoch ist und der Spread klein bleibt. Umgekehrt bedeutet geringe Liquidität, dass es schwerer ist, das Wertpapier schnell und ohne größere Preisabweichungen zu handeln.

Abb.: Beispiel für Geld-Brief Spannen für ein Wertpapier an verschiedenen Handelsplätzen

4. Was passiert mit meinem Depot, wenn der Broker insolvent geht?

Ein häufige Sorge von Anlegern ist die Sicherheit ihrer Wertpapiere im Falle einer Insolvenz des Brokers. Wichtig zu wissen:

  • Wertpapiere sind Sondervermögen: Aktien, ETFs und Anleihen, die im Depot gehalten werden, gehören dem Anleger und nicht dem Broker. Sie sind von der Insolvenz des Brokers nicht betroffen und können auf ein anderes Depot übertragen werden.
  • Verrechnungskonto unterliegt Einlagensicherung: Geldbeträge auf dem Verrechnungskonto sind in der Regel bis zu 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt (je nach Land und Bank kann die Sicherung höher sein).
  • Depotübertrag im Insolvenzfall: Falls der Broker zahlungsunfähig wird, kann es zu zeitlichen Verzögerungen beim Transfer der Wertpapiere auf ein neues Depot kommen, aber die Vermögenswerte bleiben erhalten.

Wichtig ist, dass man bei seriösen, regulierten Brokern investiert, um zusätzliche Risiken zu vermeiden.

Bulle und Bär

Der Bulle und der Bär symbolisieren die beiden wichtigsten Marktphasen:

 1. Der Bulle (Bull Market):

Der Bulle steht für einen steigenden Markt. In einem sogenannten „Bull Market“ sind die Anleger optimistisch, die Kurse steigen, und es herrscht eine allgemeine Zuversicht. Der Begriff leitet sich von der Art ab, wie ein Bulle angreift: Er stößt mit seinen Hörnern nach oben, was den Aufwärtstrend symbolisiert.

 2. Der Bär (Bear Market):

Der Bär repräsentiert einen fallenden Markt. In einem „Bear Market“ dominieren Pessimismus, die Kurse sinken, und viele Anleger ziehen sich zurück. Der Bär greift mit seinen Tatzen von oben nach unten an, was den Abwärtstrend darstellt.

Diese beiden Tiere verkörpern die ständige Dynamik zwischen Optimismus und Pessimismus an den Finanzmärkten.

Fazit

Die Börse ist ein zentraler Handelsplatz, an dem Wertpapiere nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage gehandelt werden. Um an diesem Handel teilzunehmen, benötigt man ein Depot, das mit einem Verrechnungskonto verknüpft ist. Dabei gibt es mehrere Börsenplätze mit unterschiedlichen Preisen, sodass es sich lohnen kann, den günstigsten Handelsplatz auszuwählen.

Wertpapiere im Depot sind Sondervermögen und auch im Insolvenzfall des Brokers sicher. Durch die richtige Wahl der Orderart und die Festlegung einer Gültigkeitsdauer kann man die eigenen Handelsstrategien effizient umsetzen. Wer sich mit den Mechanismen von Börse und Depot vertraut macht, kann die Chancen des Wertpapierhandels optimal nutzen.

Das Kapitel endet hier. 


→ weiter mit „ZIELSETZUNG“

Passives Einkommen – Einkommensstrom mit Wertpapieren

 ⚠️Haftungsausschluss

Wäre es nicht schön, Geld ohne großen Aufwand dazu zu verdienen?

Verfügbares Kapital vorausgesetzt, ist die Installation eines passiven Einkommensstrom ohne regelmäßigen „Kümmeraufwand“ einfacher als viele vielleicht denken mögen. Eine bewährte Möglichkeit ist der Erwerb von Gewinn ausschüttenden Aktien, Fonds, ETFs oder Zinsen zahlenden Anleihen.

Wählt man Wertpapiere, die Dividenden oder Zinsen (z.B. Anleihen) auszahlen, erhält man regelmäßige Geldeingänge auf seinem Konto – und das nicht nur einmal im Jahr, sondern je nach Finanzprodukt auch halbjährlich, quartalsweise oder sogar monatlich. Der gesamte Ausschüttungsprozess läuft vollautomatisch und in den meisten Fällen bereits steuerbereinigt ab.

Nach dem Kauf muss man sich so nicht weiter kümmern, außer natürlich die Wertentwicklung des Investments im Auge zu behalten, also die Kursentwicklungen der Papiere auf dem freien Markt. Hat man in Produkte in anderer Währung investiert, gilt es auch die Wechselkursentwicklung im Auge zu behalten.

Vermögensaufbau statt Konsum

Beispielrechnung für 1€ am Tag

Nehmen wir an wir möchten mit unserem Investment ein zusätzliches Einkommen von 1€ täglich generieren und haben ein Finanzprodukt mit einer Dividendenrendite oder einer Zinszahlung von 6% vorliegen:

Die Investition müsste dann zunächst einmal einen Ertrag von 365 Tagen x 1€ = 365€ jährlich erwirtschaften.

Berücksichtigt man das jährlich diese 365€ auch nach Abzug einer zu zahlende Steuer verfügbar sein sollen, erhöht sich der zu erwirtschaftende Betrag. Nehmen wir der Einfachheit halber eine Steuer von 25% an:

Die 365€ entsprechen dann nur noch 75% des ursprünglich zu erwirtschaftenden Gewinns. Dieser muss entsprechend höher ausfallen, nämlich: 365€ / 75 x 100 = 487€

Die Steuer von 25% beträgt 487€ x 0,25 = 122€

Wir müssen also tatsächlich 487€ jährlich erwirtschaften um 1€ täglich zu generieren. Bei einer jährlichen Rendite von 6% entspricht das einem Kapitaleinsatz von:

mit Steuerabzug : 487€ / 6 x 100 = 8.117€ Kapitaleinsatz
ohne Steuerabzug : 365€ / 6 x 100 = 6.083€ Kapitaleinsatz (Steuerfreibetrag?)

Auf diese Art und Weise lassen sich verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Renditehöhen und gewünschten Zusatzeinkommen durchrechnen.


Beispiel:
Ich strebe 500€ monatlich netto an und bekomme jährlich sehr gute 7.5% Rendite. Die zu zahlende Steuer beträgt 25%. Wieviel Kapital müsste ich investieren?

Die 500€ monatlich entsprechen täglich 500€ x 12 Monate / 365 Tage = 16,44€
1€ täglich benötigt bei 7.5% Rendite 487€ / 7.5 x 100 = 6.493€ Kapital
Davon brauche ich das 16,44 fache, also 6.493€ x 16,44 = 106.745€ Kapitaleinsatz

Vor Steuerabzug erwirtschafte ich 106.745€ x 0,075 = 8.006€ jährlich.
Das sind monatlich 667€ brutto.


Natürlich ist ein hoher Kapitaleinsatz von mehreren tausend Euro nicht wenig, und es mag verlockend sein, dieses Geld anderweitig für materielle Wünsche auszugeben. Auf der anderen Seite ist es ein tolles Gefühl, sich jeden Monat zusätzlich etwas leisten zu können, ohne dass das ursprüngliche Kapital dadurch aufgezehrt wird.

Tatsächlich fühlt es sich oft so an, als würde man gar kein Geld ausgeben, weil das Vermögen weiterbesteht und fortlaufend Erträge generiert.

Noch besser: Wenn man die erhaltenen Ausschüttungen nicht sofort ausgibt, sondern wieder reinvestiert, profitiert man vom Zinseszinseffekt – und das Einkommen wächst mit der Zeit von selbst. Wird das zur Regel, könnten allerdings andere Wertpapiere wie etwa thesaurierende Weltfonds sinnvoller sein. Aber hier soll es ja um passives Einkommen gehen und nicht um Vermögensaufbau.

Fazit

Ein regelmäßiger Einkommensstrom aus Dividenden und Zinszahlungen kann eine großartige Möglichkeit sein, sich finanzielle Freiheit zu erarbeiten. Mit einer durchdachten Strategie kann man sich eine passive Einkommensquelle aufbauen, die dauerhaft und automatisch für zusätzliche Einnahmen sorgt.

Siehe auch : Sind Zinseinnahmen moralisch verwerflich? – Eine kulturelle Betrachtung


→ weiter mit: Ausschüttung oder Thesaurierung für den Lebensunterhalt?